10.07
2010

Im Test: Sniper – Ghost Warrior

Anmerkung: Ein Klick auf die Bilder bringt euch zur größeren Version des jeweiligen Bildes.

Scharfschützen sind in Multiplayer-Shootern nicht gerade in der Beliebtheitsrangliste auf Platz 1 zu finden. Meist werden sie als „feige“ und als „Camper“ abgestempelt. Es ist natürlich nie schön so unbeliebt zu sein und deshalb liefert der Publisher City Interactive nun sein Spiel Sniper: Ghost Warrior ab.

In dem Spiel geht es, wie schon der Name verrät, um Scharfschützen. Wir haben uns für euch das Spiel angeschaut und sagen euch, ob im Spiel scharf geschossen wird oder eben nicht.

Auf der Insel wird scharf geschossen

Sniper: Ghost Warrior bietet uns neben dem Multiplayer-Modus eine Einzelspieler-Kampagne an. Dort sind wir als Scharfschütze Tyler Wells unterwegs um auf der Insel Isla Trueno den Drogenbaron General Vasquez aufhalten. Dieser macht nicht nur aus Kokain Geld, sondern verhandelt auch mit Terroristen. Das das die USA nicht gerade begeistert, ist klar. Also machen wir uns auf, denn die Insel wartet bereits.

Wie man anhand dieser kurzen Beschreibung schon erkennt fällt Sniper: Ghost Warrior ebenfalls in die große Ecke der Shooter, die keine spannende und tiefgründige Story erzählen. Zwar gibt es immer wieder Zwischensequenzen, die die Geschichte vorantreiben, aber das nicht gerade spannend und das obwohl Tyler Wells eigentlich ein sympathischer Kerl ist. Nebenbei gibt es mitten im Spiel immer wieder Funkverbindungen zwischen Wells und seiner Partnerin, die ordentlich vertont wurden sind.

Das zur Handlung, aber wie sieht das Spiel selbst aus? Im Großteil des Spiels sind wir nur als Scharfschütze unterwegs und das meistert das Spiel streckenweise mit Bravour. Wir schleichen durch den Busch, verstecken uns hinter Felsen und erschießen unsere Gegner aus der Distanz. Das klingt einfacher als es manchmal ist, denn öfters verstecken sich die Feinde auch in den Dschungelwäldern und dann ist es ab und zu schwer diese sofort zu entdecken. Doch darauf baut Sniper: Ghost Warrior seine Atmosphäre auf, die in vielen Leveln deutlich zu bemerken ist. Besonders in den wenigen Leveln wo wir unbemerkt an Gegnern vorbei kommen müssen. Dann benutzen wir die Quicksave und Quickload Taste öfters, als wir es überhaupt wollen.

Vorgetäuschte Freiheit

Wer sich in den Levels von Sniper: Ghost Warrior umschaut, der bemerkt, dass die Levels durchaus groß sind. Leider täuscht City Interactive das nur vor, denn die Levels sind fast immer linear und lassen keine Freiheiten des Spielers zu. An vielen Stellen stoßen wir auf eine unsichtbare Wand die verhindert, dass wir den vorgeschriebenen Weg der Entwickler verlassen. Das ist schade, denn so muss man sich immer an den klaren Weg halten, obwohl man vielleicht selbst eine bessere Position zum Snipern gefunden hat.

Neben seinem Scharfschützengewehr besitzt Tyler auch noch eine schallgedämpfte Pistole, Wurfmesser und in wenigen Level-Abschnitten auch einen Wurfhaken. Mit den beiden erstgenannten haben wir die Möglichkeit auch Gegner aus näherer Distanz zu ermorden. Den Wurfhaken nutzen wir extrem selten und dann auch nur um uns an einer Wand oder an einem Ast abzuseilen.

Realismus und Zeitlupe

Schon im Vorfeld der Veröffentlichung sprach City Interactive davon, dass das Spiel eine realistische Ballistik besitzt. Auf den unteren Schwierigkeitsgraden des Spiels merkt man davon herzlich wenig. Erst auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad muss man die Ballistik und die verschiedenen Einflüsse, wie Wind oder Regen beachten. Blöd nur, dass auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad die Gegner noch besser treffen als ohnehin schon, das sorgt an einigen Stellen für viel Frust.

Neben diesem Realismus Aspekt bietet das Spiel auch eine Zeitlupen-Funktion an, die man manuell aktivieren bzw. deaktivieren kann. Ist diese aktiv, so sehen wir bei manchem gelungenen Treffer eine Zeitlupe wie die Kugel den Gegner trifft. Das sieht durchaus eindrucksvoll aus, auch wenn es spielerisch eher unwichtig ist.

Wer braucht schon ein Scharfschützengewehr?

Neben den Scharfschützeneinsätzen müssen wir auch in ein paar Leveln den Hauptcharakter wechseln und laufen fortan mit einem Sturmgewehr umher. Dazu kommen ein paar KI-Kameraden die uns dabei helfen im Level voranzukommen. Das klingt zwar nach Abwechslung, aber leider wurde das zu schwach umgesetzt.

Man merkt dem Spiel in solchen Einsätzen oft an, dass das Budget nicht das Größte war. Die Script-Sequenzen sind schwach und die Feind-KI mehr schlecht als recht. Sie können zwar gut zielen, aber stehen ansonsten dumm in der Gegend herum und suchen sich keine Deckung. Zusätzlich ist es enorm schwierig mit dem Sturmgewehr ordentlich zu treffen. Schade, das hätte das Spiel nicht wirklich gebraucht.

Camper vs. Camper

Neben den ordentlichen, wenn auch nicht großartigen Singleplayer gibt es noch den eingangs erwähnten Multiplayermodus. Dieser bietet derzeit drei Spielmodi an: Bande, Gefecht und VIP. Bande ist das gewöhnliche Team-Deathmatch, Gefecht das normale Deathmatch und VIP ist eine Art Geiselrettung. Neben diesen wenigen Modi gibt es auch nur sechs Karten.

Sobald man einem Spiel über den Serverbrowser beitritt, darf man sich zwischen vier Klassen auswählen. Alle vier Klassen besitzen ein Scharfschützengewehr und deshalb artet das Multiplayergefecht auch in ein „Warten und Suchen“ aus. Man hält sich versteckt, sucht den Gegner und muss präzise schießen. Doch den Gegner finden ist wohl die Hauptdisziplin im ganzen Gefecht. Geduld ist daher gefragt und lässt man sich darauf ein entwickelt sich das Ganze zu einem spannenden Spiel, wo es möglich ist, dass jeder Mal den 1. Platz abbekommt.

Grafisch: Bezaubernd

Im Hintergrund von Sniper: Ghost Warrior arbeitet die Chrome Engine 4, die sich schon in Call of Juarez: Bound in Blood bemerkbar gemacht hat. Auf den ersten Blick zaubert die Engine wunderbare Dschungellandschaften auf den Bildschirm, die sich wirklich sehen lassen können. Zwar noch lange keine Konkurrenz zu Crysis, dennoch kann sich das Spiel im Jahre 2010 sehen lassen. Besonders die gute Weitsicht und die Beleuchtung sorgen dafür, dass wir uns wirklich wie im Dschungel fühlen. Nur aus der Nähe bemerkt man, dass die Grafik auch viele Matschige Texturen beherbergt. Und auch die Animationen sind nicht sehr fein. Ein kleines Detail am Rande: Schaut ihr an euch herunter könnt ihr eure Beine sehen. Und im Dschungel sind auch öfters Tiere, wie Hühner und Krokodile anzutreffen.

Soundtechnisch ist ebenfalls alles im Lot beim Spiel. Die Musik passt fast immer zur jeweiligen Situation, der Dschungel glänzt dankt der Geräusche und die deutschen Sprecher haben ihren Job mit Bravour erfüllt. Einziges Manko: Die Waffen sind etwas schwächlich beim Sound, auch wenn wir öfters mit Schallgedämpften Waffen herumlaufen.

Fazit

Sniper: Ghost Warrior ist nicht der großartige Titel geworden. Das hatte auch im Vorfeld keiner erwartet, aber dennoch hat City Interactive mit dem Spiel seinen bislang besten Titel abgeliefert. Grafisch und Soundtechnisch ist das Spiel sehr gut, allerdings mangelt es am Spieldesign.

Die Scharfschützenmissionen, wo wir uns durch den Dschungel schleichen, sind wirklich sehr gut umgesetzt. Aber warum in Teufels Namen mussten solche Ballereinsätze mit ins Spiel eingebaut werden? Weder können diese Script- und Spieltechnisch mit anderen Shootern mithalten, noch sind sie schön zu spielen. Schade, denn hier hat City Interactive viel Potential verschenkt und auch eine Aussicht auf eine höhere Wertung.

Nichtsdestotrotz ist Sniper: Ghost Warrior ein ordentliches Spiel geworden, welches seine Macken hat, wie zum Beispiel wenn wir an kleinen Palmenzweigen einfach hängen bleiben.

Positives:
Realismus beim Snipern …
hübsche Grafik
dichte Dschungelvegetation
spannende Scharschützeneinsätze
ordentliche Sprecher
toller Sound
gute Steuerung
Zeitlupenfunktion
großartige Weitsicht
Zwischensequenzen

Negatives:
… nur auf dem höchsten Schwierigskeitgrad
schwache KI
nervige Baller-Einlagen
matschige Texturen
Einsteiger haben es schwer
vorgetäuschte Freiheit
Nur 6 Stunden Solospielzeit

Wertung
Atmosphäre: 84%
Grafik: 86%
Sound: 85%
Gameplay: 79%
Multiplayer: 81%
Bedienung: 82%
K.I.: 66%
Umfang: 72%

Gesamt: 79%

Original-Artikel (Anmerkung: Der Verfasser des Textes ist sowohl hier als auch auf der folgenden Seite derselbe!): Gamerlobby.de

Abgelegt in: Action, Community News, Shooter, Spiele Autor: Razyl

Ein Kommentar zu “Im Test: Sniper – Ghost Warrior”

  1. Ich sagt:

    Ich stimme dem test zu. Das Spiel ist kein Stern am Shooterhimmel aber das hat -wie schon erwähnt- keiner erwartet. Ich bin recht zufrieden und für 30 Euro bekommt man ein sehr gutes spiel mit kleinen macken. ;-)

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