3.07
2010

Singularity Review

Singularity, Review von Miew

Fangen wir einmal am Anfang an:
Die Story beginnt damit, dass man als US Soldat ausgesendet wird um eine Anomalie in einem alten russischen Forschungskomplex zu untersuchen. Im Komplex geht in der Tat nicht alles mit rechten Dingen zu, denn dort ist keine Menschenseele zu finden, und beim Versuch sich nach dem Helikopterabsturz auf der Insel wieder mit dem Kollegen zu treffen, wird unser Held plötzlich in die Vergangenheit katapultiert, wo er einen unbekannten russischen Forscher vor dem Feuertod bewahrt. Nach der ebenso plötzlichen Rückkehr in die Gegenwart hat sich dort einiges geändert, und statt einem leeren Forschungskomplex findet man nun allerhand Zombies und Mutanten. Auch dauert es nicht lange bis man feststellt, dass der Rest der Welt nicht mehr so aussieht wie man ihn kannte, sondern, dass die Russen nun scheinbar den größten Teil des Planeten beherrschen, und zwar mittels Soldaten die ultracoole Gesichtsmasken tragen!

Wer eins und eins zusammenzählt der kann sich bereits denken, dass es mit dem geretteten Mann aus der Vergangenheit zu tun haben muss, der natürlich dem kurz darauf auftauchenden russischen Diktator sehr ähnlich sieht. Während der Kollege dann mit einer Kugel im Kopf endet kann der Protagonist entkommen, und den ganzen Rest des Spiels verbringt man damit, die ganze Sache wieder gerade zu richten.

Das große Feature von Singularity ist ein Apparat mit dem man die Zeit beeinflussen kann. Man kann Objekte altern lassen oder verjüngen. Das hört sich interessant an, ist aber in der Praxis garnicht besonders aufregend. Zerstörte Treppen etc. lassen sich wieder herrichten, aber wer hier Rätsel erwartet bei denen man tatsächlich um die Ecke denken muss wird enttäuscht. Die „Rätsel“ in diesem Spiel werden ihrem Namen kaum gerecht, denn im Grunde geht es jedes mal darum eine immer gleich aussehende Kiste (Wenn man diese Kiste sieht weiß man: „Aha, hier folgt ein Rätsel!“) irgendwo hin zu stellen und zu altern oder verjüngen. Das Altern und Verjüngen von Objekten ist dabei wie ein „Schalter“ mit dem man die Form verändern kann. Die Rätselkiste fällt zusammen wenn sie altert, und kann dann zum Beispiel unter ein halb geöffnetes Tor geschoben werden, um dieses aufzustemmen indem man die Kiste wieder verjüngt. Dieses Rätsel gibt es sicher fünf mal im ganzen Spiel, und manchmal muss man sogar besonders clever sein und die Kiste im Anschluss noch ein bisschen weiter mitnehmen, um sie als Treppe zu benutzen. (‘Kiste als Treppe benutzen’ kommt ca. 10 Mal vor). So, damit habe ich euch hier direkt im Review auch schon eine halbe Komplettlösung mit eingebaut.
Die andere Hälfte der Komplettlösung ist übrigens direkt im Spiel, denn wenn man F drückt bekommt man auf dem Boden durch leuchtende Fußspuren angezeigt, wo man als nächstes hin laufen muss. Die Levels sind zwar völlig linear, aber vielleicht fällt es manchen Spielern ja schwer zwischen Vorwärts und Rückwärts zu unterscheiden.

Ich denke mal, jetzt sollte zumindest halbwegs klar sein, dass dieses Spiel keine besonderen Ansprüche an die Intelligenz stellt. Aber das sucht man ja auch bei einem Shooter nicht, sondern man will ballern, stiiiimmts?
Was man Singularity zu gute halten muss ist, dass die Gegner nicht nur, wie in anderen Spielen, aus Fußsoldaten bestehn. Zwar erschießt man im Laufe des Spiels auch eine Menge russischer Soldaten (Die irgendwie nie ihre Klappe halten und ununterbrochen auf russisch herumbrüllen), aber oft kämpft man auch gegen verschiedene Formen der oben erwähnten Mutanten, oder andere Monster, die aus ungeklärten Gründen die Forschungsinsel bevölkern. Neben Standardzombies gibt es schnelle und teleportierende Zombies, kleine Kamikaze Insekten die in Schwärmen angreifen und sich neben dem Spieler in die Luft sprengen, oder riesige Baum-Monster, und sogar den einen oder anderen Zwischenboss.
Dem entgegensetzen kann man als Spieler eine Reihe unterschiedlicher Waffen, von denem man allerdings jeweils nur zwei mitnehmen darf. Hin und wieder kann man auch Waffen upgraden, was dann noch mehr dazu führt, dass man bis auf die Waffe seiner Wahl alles andere links liegen lässt. Pistole, Shotgun, Sturmgewehr (das aussieht als hätte es einen Lüfter eingebaut), Sniper Gewehr und noch ein paar andere Waffen stehen zur Verfügung. Konzentriert man sich mit den Upgrades auf das Sturmgewehr, ist es gegen Mitte des Spiels so stark, dass man selbst größere Gegner schnell in die Knie zwingt. Soldaten kippen natürlich mit ein bis zwei Schüssen um.
Während der Spieler Anfangs selbst auch noch recht leicht das Zeitliche segnet, wird er im Laufe des Spiels durch Upgrades ebenfalls immer stärker, bis man am Ende wie eine Ein-Mann-Armee durch die Gegner pflügt. Selbst auf „Hard“ war das Spiel dann keine Herausforderung mehr, und das obwohl ich mit Sicherheit nicht besonders gut spiele. Aber immerhin mit Tastatur und Maus, und das Spiel scheint, wie so oft in letzter Zeit, auf Konsolenbenutzer ausgerichtet zu sein, deren Gamepad natürlich weniger für Egoshooter geeignet ist. Darum bietet auch das Snipergewehr eine Bullet Time Funktion, welche die Zeit geradezu anhält und es einfach macht alle Gegner per BOOM HEADSHOT! auszuschalten. Ach ja, apropos Zeit anhalten: Für den Kampf lässt sich die Zeitmanipulation natürlich auch einsetzen. Man kann Gegner damit umbringen (sie zucken dann etwas rum und sterben, keine lustige Alterungsanimation a la Indy3, schade) oder deren Deckung zerbröckeln lassen, was sich aber in der Praxis nie lohnt, zum einen weil das Gerät Energie verbraucht und Kugeln einfacher sind, zum anderen weil sich nur ganz bestimmte Mauern so zerstören lassen, und ich nie einem Gegner begegnet bin der sich hinter so einer versteckt hat.
Interessant ist die Möglichkeit eine Blase zu erschaffen in der die Zeit langsamer abläuft, um so entweder Gegner einzufrieren oder auf offenem Feld einen gewissen Schutz vor feindlichen Kugeln zu bekommen. Der Spieler (und auch seine Kugeln) bewegt sich innerhalb der Blase nämlich ganz normal.

Die Grafik… nunja, was soll man sagen? Unspektakulär.
Das Spiel läuft mit der UT3 Engine und sieht nicht schlecht aus, allerdings hat man das Gefühl ständig durch die gleichen eintönigen Gänge zu rennen. Während der sehr kurzen Abstecher in die Vergangenheit kommt dann ein wenig Farbe in’s Spiel, aber am braungrauen Gesamteindruck ändert das nichts. Die Alterungs- und vor allem Verjüngungseffekte sind recht schön anzuschauen, und sorgen an manchen Stellen für eine Art von Surrealismus aus der man sehr viel mehr hätte machen können.
Anscheind war den Entwicklern selbst klar, dass in ihrem Spiel alles einheitlich aussieht, denn die sammelbaren Items leuchten alle weiss, damit man sie auch ja nicht übersehen kann.
Und ich weiß nicht ob es an meinem Computer liegt oder ein Problem des Spiels ist, aber zum Teil werden Texturen so unscharf, dass sie fast schon zu einfarbigen Flächen verkommen. Und das, obwohl die selbe Oberfläche kurz zuvor noch sehr viel schärfer dargestellt wurde.

Soundtechnisch gibt es ebenfalls keine großen Mängel festzustellen, aber auch nichts was positiv heraussticht. Die Effekte unterstreichen an Stellen wo es passt die Gruselatmosphäre. Musik gibt es kaum, wenn man mal von dem „Gruselgeklimper“ an manchen Stellen absieht.

Singularity bedient sich großzügig bei anderen Vertretern des Genres, wie Half-Life 2, Bioshock oder gar System Shock 2, mit den teilweise auftauchenden „Geistern“ die die Vorgeschichte erzählen, auch wenn die Erscheinung hier natürlich als Zeitanomalie erklärt wird. Der Protagonist spricht kein Wort, was vor allem zu Anfang teilweise etwas albern wirkt, wenn der Kollege mit den Zombies Bekanntschaft macht die man selbst schon kurze Zeit zuvor zum ersten Mal getroffen hat, und man sich fragt wieso man ihn denn eigentlich nicht gewarnt hat.
Ähnlich wie in Bioshock liegen im ganzen Komplex verteilt Tonbänder, auf denen die Leute den Hergang der Geschehnisse dokumentiert haben. Zum Teil ist das auch sehr absurd, wenn an den unmöglichsten Stellen neben Leichen Tonbänder liegen, durch die sich die Todesursache nachvollziehn lässt.

Bei Singularity gibt es einen HP Balken, keine regenerierenden HP. Dafür darf man Medikits mit sich herum schleppen, deren Anzahl und Wirkungskraft sich im Verlauf des Spiels auch steigern lässt. Das ist ein System das mir persönlich besser gefällt als die aufladbaren HP, da es eine begrenzte Ressource in’s Spiel einführt, deren Gebrauch der Spieler managen muss. Auch wenn in den Hallen und Gängen (und teilweise sogar in Mülleimern) so viele Medikits rumliegen, dass man sich fragt wie dort überhaupt jemand zu Tode kommen konnte.

Alles in allem würde ich sagen, dass Singularity zwar kein schlechtes Spiel ist, aber auch nichts hat, das es von anderen Spielen seiner Art abhebt. Sozusagen das typische 0815 Spiel. Zwar klingt die ganze Geschichte um Zeitmanipulation originell, aber im Endeffekt ist die Idee nicht so in’s Spiel integriert, dass sie an den grundlegenden Mechaniken eines Egoshooters viel ändert. Auch die Story bleibt flach und extrem vorhersehbar, und nutzt keineswegs die Möglichkeiten die eine Geschichte um Zeitreisen und alternative Zeitstränge geboten hätte.
Wer ein Fan von Egoshootern ist kann sich das Spiel ausleihen. Kaufen würde ich nicht empfehlen, da es nach einem Durchspielen (7-8 Stunden) höchstwahrscheinlich im Regal verschwinden wird. Singularity bietet einfach nicht genug Abwechslung um beim zweiten Mal noch interessant zu sein.

Abgelegt in: Action, Community News, Shooter, User Review Autor: anonym

7 Kommentare zu “Singularity Review”

  1. drummen sagt:

    Erst einmal: Danke für das Review Miew, so etwas braucht die Seite dringend.
    So nun zum Review selbst: ich find’s für ein privates Review ganz Ordentlich, doch hätte man sich hier und da (z.B. bei der Musik “Die Effekte” – Was meinst du damit?) ein bisschen mehr Ausführlichkeit gewünscht. Kommentare wie bzw. den Kommentar “BOOM HEADSHOT!” fand ich persönlich eher störend.
    Was unbedingt (wann du nochmal ein Review machen willst, oder das hier Jemand liest, der selbst eins machen will) noch rein muss sind Überschriften und Bilder. Gerade das fehlen von Überschriften lässt trotz der vielen Absätze deine Review wie eine riesige Wand aus Text aussehen, wo es einfach kein Ende gibt und Bilder währen sehr hilfreich gewesen (zumindest, wenn man Bilder einfügen kann).
    Dennoch ein sehr ordentliches Review und ich würde mir gerne noch eins wünschen.

    Noch 2 Fragen am Ende: Gibt es noch eine höhere Schwierigkeit als “Hard” und wie ist die Gegner KI, vor allem bei höherem Schwierigkeitsgrad?

  2. metaliltis sagt:

    Super Review ! Genau das, was die Site braucht :)

    Klasse, vielleicht fühlen sich durch dich auch andere angespornt, sein ein oder anderes Lieblingsspiel hier zu Reviewn…. muss ja nicht immer gleich mit nem Video sein!

    Überschriften würden noch sehr gut ins Gesamtbild passen… aber das ist mäkeln auf höchstem Niveau.

  3. Miew sagt:

    Bilder kann ich keine einbauen, nur den Text abgeben. Da müsstest du Stevinho oder so fragen.
    Ja, ich habe es nicht besonders “offiziell” geschrieben, sondern eher persönlich. Vielleicht gefällt das nicht jedem, aber ich denke trockene Reviews gibt es eh schon genug. “BOOM HEADSHOT!” ist eine Anspielung auf Pure Pwnage, sorry ich konnte es mir nicht verkneifen. ;)

    Mit den Überschriften geb ich dir recht. Bin mir nicht sicher ob ich die hier auch mit Fettschrift hätte Kennzeichnen können, aber der Übersichtlichkeit wäre es sicher zugute gekommen. Eine “Wall of Text” ist es denke ich dennoch nicht, und auch in dem Zusammenhang kein angemessener Begriff, denn es geht ja schliesslich um ein Textreview, was sollte man da anderes erwarten als Text?

    Höher als Hard gibt es übrigens nicht, und die Gegner sind auch dann nicht besonders klug. Sie gehn mehr oder weniger in Deckung und werfen hin und wieder Granaten (was der Spieler übrigens nicht kann, Granaten werfen meine ich). Die Zombies rennen halt auf einen zu, wie es Zombies so machen. Manche teleportieren sich auch kreuz und quer, was die Sache etwas verrwirrender macht, aber von intelligentem Verhalten würde ich trotzdem nicht sprechen.

  4. Razyl sagt:

    Du kannst sowohl Bilder, als auch Wörter und Sätze fetten.

    Für Bilder nutzt du , natürlich ohne Punkt ;)

    Und fürs Fetten brauchst du nur vor das jeweilige Wort bzw. den Satz bzw. den Abschnitt setzen und dann hinter das Wort/den Satz/den Abschnitt .

  5. Razyl sagt:

    Blah, dämliches HTML :S

    Ok, mit anderen Klammern vllt. : [img src="GRAFIKADRESSE"] für die Bilder. Die eckigen Klammern musst du durch ersetzen.

    Das gleiche beim Fetten: [b] und am Ende, wo das Fetten enden soll [/b]. Ebenfalls hier die eckigen Klammern durch ersetzen.

  6. Razyl sagt:

    -.-

    Du musst die eckigen Klammern durch die größer/kleiner als Klammern ersetzen :S Die Klammern neben der Y-Taste ><

  7. Kaeltas sagt:

    Liest sich gut und flüssig, deine persöhnliche note gefällt mir und hat mir 2-3 mal ein Schmunzeln entlockt. Sehr schönes Review, mir gefällts gerne mehr Miew!! :D

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